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                     Ostfriesen-Zeitung 14. Juni 2014                                                       Bild: Fritz Harders

 

Ein Sprayer, der dabei erwischt worden war, wie er eine Hauswand beschmierte, muss dem Hausbesitzer auf dessen Wunsch das Emder Feurschiff auf die Mauer malen. Die Farbe stellt der Geschädigte, weil der Graffiti-Sprayer, der sich selbst als Künstler sieht, kein Geld hat. Bild: Harders

von Fritz Harders

Der 34-Jährige hatte eine Mauer am Wall in Emden beschmiert und kam deshalb vor Gericht. Weil der Szenebekannte die fällige Geldstrafe nicht hätte zahlen können, gibt sich der geschädigte Hausbesitzer mit einer anderen Bestrafung zufrieden – einer kreativen.

Emden - Das Haus von Ulrich Kleinhans bei der Roten Mühle grenzt mit einer Giebelwand unmittelbar an den Emder Wall. Auf Graffiti-Sprayer wirkt die Hausmauer offenbar wie eine Einladung. Zahlreiche Sprayer haben die rote Klinkerwand in der Vergangenheit sehr zum Ärgernis des Hausbesitzers schon mit Schmierereien aus ihren Farbdosen überzogen.

Ulrich Kleinhans hat schließlich einem Sprayer aufgelauert, der sich eines Nachts an seiner Hauswand künstlerisch verwirklichen wollte. Die Polizei war schnell und schnappte den Mann, der seine Sprühdosen in einem Rucksack bei sich trug. Wie sich herausstelle, war der 34-Jährige eigens aus Bremen angereist, um sich in Emden an verschiedenen Stellen zu verewigen. Unter anderem gehen auch Schmierereien an der Musikschule auf seine Kappe.

„Der Mann hat mir versichert, dass er das Feuerschiff tatsächlich auch malen kann“

Die Sache hatte ein gerichtliches Nachspiel. Der Bremer Graffiti-Schmierer sollte seine Strafe haben und den Schaden wiedergutmachen. Der Mann versteht sich allerdings nicht nur als Graffiti-Künstler, sondern auch als ein Hungerkünstler. Geld war bei ihm keines zu holen. Wie Ulrich Kleinhans erzählt, reifte deshalb im Laufe der Verhandlung die Idee, seine Hauswand als Kunstfläche für den ertappten Sprayer zur Verfügung zu stellen, an der er seine Strafe sozusagen abarbeiten soll. Allerdings will der Hausbesitzer nicht irgendein Graffiti, sondern dass das Feuerschiff „Amrumbank“ die Hauswand schmückt. In der Hoffnung, dass der Ehrenkodex in der Graffiti-Szene weiter gilt, dass Arbeiten von anderen Graffiti-Sprayern nicht übersprüht werden.

Der Ruheständler, der vor einigen Jahren von Gütersloh nach Emden kam, ist dem Museumsschiff und der Schifffahrt sehr verbunden. Er ist Freizeitskipper und engagiert sich im „Arbeitskreis Feuerschiff“. „Der Mann hat mir versichert, dass er das Feuerschiff tatsächlich auch malen kann“, sagt der Emder.

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