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Ab in die Trockenkur


Generalüberholung für das Museumsschiff „Amrumbank”

Von Gaby Wolf, Emder Zeitung 18. März 2015

 

Emden. „Alles los? - „Alles los!” Letzte Abstimmung zwischen Kapitän Gerhard Janßen und Deckshand Frank Dinnebier an Bord des Feuerschiffs „Amrumbank”, dann übernehmen die Schlepper „Gruno” und „Gruno II” aus Delfzijl. Erstaunlich sanft bugsieren sie den Oldie aus der angestammten „Parklücke” im Ratsdelft. Mit etwa zwei Knoten geht
es an diesem Dienstagvormittag zunächst rückwärts voran - vorbei an winkenden, filmenden und knipsenden Schaulustigen.
Ziel sind die Emder Werft und Dockbetriebe auf der anderen Seite der Eisenbahnbrücke. Für acht Tage wird Dock 3 zum Liegeplatz für das feuerrote Schwimmmobil. Die fünfjährliche Generalüberholung samt Schiffs-TÜV steht an.
Doch bevor es der dicken Muschelkruste am Unterwasserschiff ans Gehäuse geht und die Außenhaut des Schiffs auf
ihre Dicke überprüft werden kann, ist im Alten Binnenhafen erst einmal Warten angesagt.
Darauf, dass die Eisenbahnbrücke hochklappt. Bis zur festgelegten Öffnungszeit ist es noch eine Weile hin. Das Schiff hat inzwischen gedreht. Kopfschüttelnd fragen sich Janßen, neuer zweiter Vorsitzender des Feuerschiff-Vereins, und sein Vorgänger Rudolf Schmidt, warum die Brücke nur einmal am Tag geöffnet wird. Wäre keine Ausnahme
gemacht worden, hätten die Schlepper bloß in den Delft hinein-, aber nicht mehr mit dem Feuerschiff hinausfahren
können, erzählen sie. „Emden ist doch Seehafenstadt!”, wird auch ein Deck tiefer gebrummelt.
Dort gönnt sich gerade die ehrenamtliche Decksmannschaft eine Pause mit Kaffee und den von Schriftführerin
Elke Heppner geschmierten Brötchen. Das hebt die Stimmung.
Der Vorsitzende Heinz-Günther Buß strahlt sogar wie die Sonne selbst. Es ist seine erste Dockfahrt. „Da wird das
Herz ganz leicht”, schwärmt er - obwohl der Aufenthalt den Verein wohl 30 000 Euro kosten wird. Doch er ist irgendwie gerade verliebt: „Mann, ist das ein tolles Schiff!” Das hat immerhin schon 100 Jahre auf dem Buckel. Im
Herbst wird das gefeiert. Klar, dass das Museumsschiff im Dock neue Farbe bekommt.
Untenherum erneuern Profis den Schutzanstrich, obenherum verpassen die Ehrenamtlichen sämtlichen Aufbauten
einen frischen Anstrich. „Auch dem Mast - mit Kran-Einsatz”, erzählt Walter Oldermann, Leiter der Deckscrew, mit hörbarer Vorfreude.
Rückwärts ins Schwimmdock Maschinist Peter Sala führt Interessierte derweil hinunter in den Schiffsbauch, wo die Maschinen heftig dröhnen. Denn nach der Brückendurchfahrt schiebt sich das Schiff aus eigener Kraft voran. „So viel Stolz muss sein”, findet Peter Nielsen, der zweite stellvertretende Vorsitzende. Zum Rückwärts-Bugsieren ins
Schwimmdock ist wieder Schlepperhilfe gefragt. „Da! Das Dock wird schon abgesenkt”, ruft Erhard Bolenz, der
vorherige Vereins-Chef. „Wir können so hineinschwimmen, dann wird das Schiff mittig auf den Pallböcken festgezurrt
und das Wasser aus den Seitenwänden herausgepumpt, das sind praktisch riesige Wassertanks”, erläutert er.
So kommt es dann auch, nachdem die Dockarbeiter von beiden Seiten große Stahlstempel gegen den Rumpf gedrückt
und mit Pallhölzern verkeilt haben, damit das Schiff stabil liegt. Ein weiteres Mal gibt es Gelegenheit zur Entdeckung der Langsamkeit, bis das Dock durchs Aufschwimmen trocken fällt. Die Vereinscrew verlässt das auf einmal doppelt so riesig wirkende Schiff. Heute schon werden sie wieder im Dock sein - und Muscheln abspachteln.

 

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